„Hypnotisch Sprechen“ im Yoga?- lieber nicht!!!

Vor kurzem fiel mir eine Anzeige für eine Fachfortbildung für YogalehrerInn en ins Auge. Thema: Stimme und Präsenz. Eigentlich ein wichtiges Feld. Doch beim Lesen der Inhalte blieb mir kurz der Atem weg. Da stand es schwarz auf weiß: „Wir bringen euch bei, wie man hypnotisch spricht.“

Bitte was?

Als jemand, der sich seit Jahren intensiv mit Yoga und Meditation auseinandersetzt, hat mich das tief schockiert. Denn wenn Yoga eines sicher nicht ist, dann ist es Hypnose.

Wachheit statt Wegtreten


Wir leben in einer Zeit, in der Yoga oft als reine Wellness-Dienstleistung verkauft wird - manchmal sogar – man mag es kaum glauben, im Paket mit einer Weinverkostung!

Okay, man kann jede Idee und jeden Sinn soweit runterverdünnen, dass von ihm so gut wie nichts mehr übrig bleibt. Und man kann natürlich selbst einer Kuh den Schwanz vom Esel hinten annageln, und es als grandiose Synthese verkaufen. Aber, ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass Menschen dumm sind. Sie können Echtheit durchaus (noch) erkennen. Und sie spüren sehr genau, wenn etwas nicht zusammengehört. Wie Alkohol und Yoga oder Yoga und Hypnose.

Zurück zum Thema: Entspannung, Wohlfühlen, Abschalten – das sind wunderbare Side effects beim Yoga. Aber sie sind nicht das Ziel. Das Ziel von Yoga ist Klarheit. Es geht darum, sich selbst zu erkennen, bewusst zu werden und aus diesem Bewusstseinsraum heraus richtige Entscheidungen für das eigene Leben zu treffen. Es geht um Wachheit.

Kann man das in einem hypnotisierten Zustand? Nein.

Manipulation vs. Selbstermächtigung

Hypnose bedeutet im Kern, dass der kritische Verstand umgangen wird. Es ist eine Form der Suggestion, bei der man ein Stück weit die Kontrolle abgibt. Yoga ist das exakte Gegenteil: Es ist die totale Selbstermächtigung. Wir üben, die Wellen des Geistes (Citta Vritti) zu beobachten, nicht, sie durch die Stimme eines anderen einlullen zu lassen.

Wenn eine Stimme „hypnotisch“ wird, entsteht ein Gefälle. Die Lehrerin manipuliert die Atmosphäre, um ein schnelles Ergebnis – meist tiefe Entspannung – zu erzwingen. Das ist geschäftstüchtig, aber es ist kein Yoga. Es ist das „Abfüllen von Sinn in Flaschen“, um ein leichter konsumierbares Produkt daraus zu machen.

Der wirkliche Yoga Meister oder die Meisterin wissen sehr genau, dass Yoga ein Weg ist, den man nicht beschleunigen kann. Und dass es auf diesem Weg viele Abzweigungen gibt, die eben nicht zum Ziel führen. Zum Beispiel wenn man glaubt, es ginge nur um Entspannung dabei oder ein bisschen Gymnastik, einen schlanken und attraktiven Körper, bunte Leggins und die Zurschaustellung eines gesunden Lifestyles.

Ein Appell an die Authentizität

An alle Lehrerinnen und Lehrer, die Yoga als einen Weg der Reflexion und Entwicklung verstehen:

Eure Stimme ist
euer Werkzeug
zur Präsenz!

…nicht um Schülerinnen zu betäuben. Sucht euch Mentorinnen, die das verstehen - und auch leben! (Eine davon schreibt hier gerade.)

Die euch helfen, eure echte, kraftvolle und klare Stimme zu finden, statt euch beigebrachte Verkaufstricks als „Präsenz“ zu verkaufen.

Augen auf! Nicht in jeder Fortbildung ist wirklich Bildung drin. Denn man kann nur verkaufen, was man auch wirklich hat. Und wenn du aus dem Wort Fortbildung die Bildung entfernst, bleibt nur noch eins: Fort-. Und zwar so schnell wie möglich.

Weiter
Weiter

Die Kerle hören mir einfach nicht zu…