Worst Case oder Befreiung - Was, wenn du nicht ankommst?

Du stehst vor dieser Gruppe und hältst begeistert deinen Vortrag. Du liebst das Thema, bist super vorbereitet und glaubst fest daran, etwas zu geben. Wenn da nicht dieses eine Problem wäre: Die Gruppe scheint nicht mitzukommen. Sie wird unruhiger. Sie fängt an, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Auf einigen Gesichtern siehst du Ratlosigkeit, auf anderen pures Desinteresse.

Was ist bloß los?

Diese Horrorsituation passiert wohl jedem mindestens einmal im Leben. Jeder, der einmal auf einer Bühne gestanden hat – ob als Künstler oder Vortragender –, hat erlebt, das Publikum nicht mitnehmen zu können.

Zuallererst: Herzlichen Glückwunsch! Dies ist der allerbeste Moment, um etwas zu lernen. So schmerzhaft diese Situation ist, so sehr sie einen in innere und äußere Bedrängnis führt: Nichts ist klarer als dieser Moment. Aber nicht so, wie du denkst.

Passt du oder die Gruppe nicht? - Oder beide?

Betrachten wir das Ganze völlig sachlich. Du möchtest Thema A auf die Art und Weise B präsentieren. Die Gruppe ist wegen Thema A gekommen, also grundsätzlich offen. Die Art und Weise B, wie du es präsentierst, scheint aber nicht zu schmecken. Daraus kannst du zwei Schlüsse ziehen: Entweder sagst du dir: „Wir passen nicht zusammen. Meine Art zu präsentieren, ist eben meine Art.“ Oder du sagst: „Wir passen nicht zusammen, aber ich mache das jetzt passend, indem ich mich mehr darum bemühe, dieser Gruppe entgegenzukommen.“

Was du zu bieten hast, ist nicht für jeden!

Auf alle Fälle ist dieser Moment ein Moment der Befreiung. Er befreit dich von einer Sichtweise, die dich eingeschränkt hat – nämlich, dass das, was du zu bieten hast, für alle richtig ist. Ist es nicht. Kann es auch gar nicht. Gerade auf Instagram erleben wir diese Situation fast täglich. Da wird oberflächliches Kaffeetrinken, das Befüllen von Vasen mit hübschen Blumen oder lautes Marketing-Geschrei mit Aufmerksamkeit belohnt.

Was aber, wenn du jemand bist, der sehr breit und tief denken kann? Ein Mensch mit einem komplexen Nervensystem, der seine Inhalte ebenso komplex präsentiert? Bist du dann einfach zu gut für diese Welt? Oder bist du eine neue Art von Dummkopf, der nicht rafft, was hier gespielt wird, weil es doch so einfach ist, die Dinge primitiv herunterzukochen – und du schaffst es bloß nicht?

Es geht um Resonanz

Die Antwort heißt Resonanz. Frage dich grundsätzlich, ob du mit dem Feld, das eine bestimmte Sache ausstrahlt, in Resonanz gehst. Passt es zu dir? Ist es dir gemäß?

Als Pinguin in der Wüste wirst du ganz sicher kein Publikum haben, wenn du von Eisschollen fantasierst. Niemand kann dir folgen. Eisschollen liegen außerhalb des Resonanz-, Erfahrungs- und Wahrnehmungsbereichs von Wüstenbewohnern.

Aber wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte. Finde sie. Finde den Punkt, wie weit du dich deinem Publikum zuwenden kannst – und wann es anfängt wehzutun, weil du dich selbst verlässt.

Spüre, wo du noch in Resonanz bist.
Und wo du auf Taubheit triffst.

Diese Übung führst du nicht nur einmal durch, sondern in immer neuen Zusammenhängen, in immer neuen Konstellationen, in immer neuen Situationen.

Finde heraus, wer und was du bist.
Und wer du nicht bist.
Und dann lebe danach.

Schließlich bist du einzigartig. Nur du kannst in diese Welt bringen, was du eben in diese Welt bringen musst. Niemand anderes.

Warum solltest du also versuchen,
wie alle anderen zu sein –
sie sind es ja auch nicht!

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25 Jahre als ganzheitlich- systemischer Coach

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