25 Jahre als ganzheitlich- systemischer Coach

In 2026 feiere ich mein 25-jähriges Berufsjubiläum als Coach. Und einen Weg, der nicht immer anschlussfähig war.

Als ich 2001, nach meiner Rückkehr aus den USA mit Coaching begann, hatte dieser Begriff in Deutschland ein sehr enges Bedeutungsfeld. Coaching war vor allem leistungs- und erfolgsorientiert, wirtschaftlich gedacht, auf Optimierung ausgerichtet. Für Führungskräfte und Wirtschaftunternehmen - oder solche, die es sein wollten.

„Schneller, höher, größer, weiter“

war die implizite Botschaft, und dass persönlicher Erfolg das Maß aller Dinge sei.

Bücher wie „Think and Grow Rich“ prägten das Denken vieler Menschen. Sie vermittelten ein Verständnis von Selbstverbesserung und Selbstentwicklung, das stark auf Durchsetzung, Zielerreichung und individuelle Überlegenheit setzte – oft losgelöst von Beziehung, Verantwortung und innerer Reife.

Als Gegenbewegung dazu öffnete sich wenig später ein anderes Feld: Spiritualität wurde populär, allerdings häufig in stark vereinfachter, naiver Form. Wer es nicht über den „Ellbogenweg“ schaffte, versuchte nun dieselben Ziele über den soften Pfad der Esoterik zu erreichen.

Titel wie „The Secret“ oder „Bestellung beim Universum“ popularisierten jahrhundertealte, geistige Techniken und verdünnten sie soweit herunter, dass daraus eine Bewegung wurde, die verspracht, dass das Leben sich allein durch die richtige innere Ausrichtung lenken ließe.

Erfolg, Glück und Erfüllung erschienen nun das Ergebnis intensiven Wünschens. Und Scheitern wurde subtil zu einem persönlichen Fehler erklärt.

Beides waren Extreme. Aber beide entsprangen demselben menschlichen Bedürfnis: dem Wunsch nach Entwicklung, Sinn und Wirksamkeit.

Meine eigene Arbeit hat sich nie in einem dieser Pole verortet. Ich kam aus der Heilkunde, aus einem ganzheitlichen Denken, dass den Menschen immer im Zusammenhang betrachtet:

Körperlich, emotional, biografisch, spirituell, sozial.
Später systemisch.

Das war sehr lange nicht nur nicht anschlussfähig. Und da ich mich nicht nur als Mentaltrainerin vorstellte, sondern auch offen über spirituelles Bewusstsein sprach, beschwor es aktiven Widerstand herauf.

In Rotenburg sorgte mein Flyer, der zu Entspannungsarbeit, Meditation und Achtsamkeitsgespräch einlud, und denen ein meditieren Buddha zierte, Anfang der Zweitausender Jahre für größtes Misstrauen und Missfallen seitens kirchlichorientierter Kreise.

Ich bin geblieben, habe weiter gearbeitet. Bin gegangen, als es mir die geistige Enge zu anstrengend wurde. Später, als ich wußte, wer ich war, kam ich wieder.

Habe weiter gearbeitet, begleitet, zugehört, gehalten, strukturiert. Habe Menschen unterstützt – als Heilpraktikerin, als Coach, als Vocal Coach, im Sprechen, im Auftreten, Empfinden der eigenen Stimme.

2026 - Vielfalt im Selbstausdruck wie nie zuvor

Heute, 25 Jahre später stehen wir an einem anderen Punkt. Vieles ist so viel einfacher. Vieles ist so selbstverständlich: die Bioläden, das Yoga-, Qigong-, Thai Chi-Angebot, die Möglichkeiten für Achtsamkeit und Entspannung, für Netzwerkarbeit, ein bewussteres Leben, u.vm.

Es ist so viel Vielfalt möglich, so viel unterschiedlicher Selbstausdruck, wie nie zuvor!

Coaching ist auch nicht mehr Förderung des Wirtschafts Egos oder der kleine Bruder der Psychotherapie oder eine bis zur Unkenntlichkeit verachtet spirituelle Lehre. Und man muss es nicht mehr heimlich buchen, weil sonst jemand glauben könnte, es stimme etwas mit einem nicht.

Es gibt jetzt Coaches in jedem Format und mit jeder erdenklichen Ausrichtung und Fachkompetenz.

Einen Entwicklungsraum für andere halten

Dafür haben wir gearbeitet und gelebt. Auch ich. Einfach, in dem ich diesen Platz gehalten habe und nicht aufgegeben habe. Auch meine Arbeit heute ist eine andere als damals. Es ist nun eine leise, reife und kraftvolle Arbeit aus der Präsenz heraus.

Und vielleicht ist es gut, sich daran zu erinnern: das Bedürfnis nach Entwicklung ist nichts, was korrigiert werden müsste. Es ist etwas zu tiefst menschliches.

Ohne dieses Innere streben, gäbe es keine Bewegung, keine Reifung, keine Veränderung. Weder im Einzelnen noch in der Gesellschaft. Ohne dieses Bedürfnis wären wir jetzt nicht soweit. Vielleicht kannst du diese Entwicklung nicht sehen, weil du noch zu jung bist und weil du nicht dabei warst. Aber wir haben etwas geschaffen. Eine Öffnung, die du jetzt nutzen kannst. Und:

Wir werden weitergehen. Auch heute gibt es Dinge, die uns unmöglich erscheinen, die Widerstand hervorrufen und noch nicht gelebt werden dürfen, die wir aber ganz, ganz dringend als Menschen entwickeln sollten und uns bewusst machen sollten.

Bist du ein Coach der neuen Generation?

Vielleicht gehörst du zu den Coaches dieser neuen Generation. Und ich freue mich, dass du dich entschieden hast, diese Aufgabe zu erfüllen! Es ist eine der bereicherndsten und großartigsten Berufe, die man haben kann.

Und falls du an Widerstände geraten solltest, wie ich vor 25 Jahren, dann akzeptiere sie nicht! Sieh sie als Aufforderung zum Wachstum, an dir selbst, deine Arbeit und deines Umfeldes an, und sage:

Ich tue es trotzdem!

 

Ich bin Tatjana Schuba.

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